12.07.2026 0 Kommentare
Konfirmation 2026
Konfirmation 2026
# Jugendliche

Konfirmation 2026

Am Pfingstsonntag, den 24. Mai 2026 feierten 21 Jugendliche ihre Konfirmation in der Kirche St. Georg. Fast zwei Jahre haben sie sich vorbereitet. Nun sagten sie Ja zu ihrer Taufe und zu ihrem Leben mit Gott.

Die Stühle, mit denen sie "am Tisch des Herrn" symbolisch Platz nehmen dürfen, haben sie auf der Abschlusskonfifahrt unter professioneller Anleitung selbst gezimmert. Die Pfarrerinnen haben noch die Vornamen der Jugendlichen in das Holz eingeprägt. Spätestens jetzt sind es ganz individuelle Möbelstücke, die sie mitnehmen sollen in ihr Erwachsenenleben als Erinnerung an diese besondere Zeit und diese wichtige Entscheidung, die sie heute für sich getroffen haben.

Unter Theologinnen erzählt man sich folgenden Witz: Drei Pfarrer treffen sich. Sagt der eine: „Ich habe Fledermäuse im Kirchturm und weiß nicht wie ich sie loswerden soll.“ „Das kenne ich“, sagt darauf der zweite Pfarrer. „Ich hab sie rausgescheucht und die Fenster zugemacht, aber irgendwie sind sie wieder rein gekommen.“ Darauf der Dritte: „Unser Fledermausproblem hat sich erledigt.“ „Wie hast du das gemacht?“, fragen die beiden anderen erstaunt. „Ganz einfach“, sagt er, „ich hab sie getauft und konfirmiert und seitdem hab ich sie nicht mehr gesehen.“
Fledermäuse stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Genauso ist es auch mit Euch Jugendlichen. Ihr seid eine gute Handvoll, nicht mal doppelt so viele wie Jesus Jünger hatte. Ihr seid kostbar und schützenswert. Für viele von Euch war es keineswegs selbstverständlich, sich konfirmieren zu lassen. Drei sind zwischendurch abgesprungen. Eine kam mit Verspätung dazu. Ihr habt es vielleicht gemerkt: Wir haben versucht, es Euch bei uns so gemütlich wie möglich zu machen. Menschen aus der Gemeinde spenden Geld, damit wir Ausflüge und Fahrten unternehmen. Wir Pfarrerinnen bringen Zeit auf, die woanders fehlt. Wir überlegen ein Programm, bei dem Ihr mit Leichtigkeit lernt, sozusagen im Vorbeiflug was mitnehmen könnt auf dem Weg ins Erwachsenenleben und dabei unmerklich Eure Persönlichkeit entfaltet. Das liegt daran, dass Ihr es uns wert seid. Wir haben so gerne zwei Jahre mit Euch verbracht, haben Euch wachsen sehen, innerlich und äußerlich, haben versucht, Euch kennenzulernen und zu begleiten, Eure Familien zu erleben und die Geschichte mitzuschreiben, die später im Rückblick mal Eure Kindheit und Jugend ist.
Wir haben dabei festgestellt: Ihr seid Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer. In Mansfeld, Hirschluch, Naumburg, Jonsdorf und Reitwein konnten wir uns überzeugen: den Tag verbringt Ihr am liebsten schlafend, kommt eigentlich nur ungern aus Euren Verstecken, wenn die Sonne scheint und sitzt dann müde mit uns am Frühstückstisch. Dann kann man eine Stecknadel fallen hören. Ganz anders ein paar Stunden zuvor: Da wart Ihr nachtaktiv, seid um die Häuser geflogen und von einem Zimmer zum anderen. Habt um drei Uhr geklopft für ein Kühlpad, Euch gegenseitig über Heimweh und Kopfschmerzen hinweggeholfen.
Ihr habt Euch über Eure Sorgen meist ohne uns ausgetauscht. Manchmal habt Ihr uns Anteil nehmen lassen an den Dingen, die Euch in der Tiefe Eures Herzens beschäftigen. Wir sind dann immer ehrfürchtig geworden vor den Lasten, die junge Leute tragen und glücklich über die Unbeschwertheit, mit der Ihr trotzdem gesegnet seid. Diese Momente waren nicht so üppig: Dank Eurer hochentwickelten Teenager-Echoortung habt Ihr gewusst, wann unsere Schritte sich nähern und blitzschnell die Bettdecken übers Gesicht gezogen. Wenn die Tür dann hinter uns ins Schloss fiel, ging das Gelächter los und das war Musik in unseren Ohren, auch wenn sie uns um den Schlaf brachte.
Wir haben versucht, es Euch so gemütlich wie möglich zu machen. Einige in dieser Gemeinde hätten die Sitzplätze in den Kirchen für Euch am liebsten fest angeschraubt. Im Leben nicht wären sie auf den Gedanken gekommen, Euch aus dem Turm zu jagen. Wir haben hier kein Fledermausproblem in Frankfurt, sondern eine ziemlich coole Konfigruppe, die wir heute nur ungern gehen lassen. Und trotzdem müsst Ihr jetzt los. Wir werden Euch gleich nach draußen treiben und freuen uns, wenn Ihr dann die ganze Welt bereist. Wir haben Euch gern, aber noch wichtiger, als dass Ihr hier treu unsere Gottesdienste besucht, ist uns, dass Ihr da draußen Gutes tut, Euren Platz findet, Eure Liebe, Euren Frieden.
Wir wünschen Euch unvernünftige Träume und die Dummheit, daran zu glauben, dass Ihr sie wahrmachen könnt. Wir wünschen Euch Unbehagen gegenüber falschen Versprechen und oberflächlichen Beziehungen. Wir wünschen Euch das Erlebnis echter Nähe und richtigen Trosts, aber auch echter Wut gegenüber Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Wir wollen gerne, dass Ihr die Flügel spannt und unter dem weiten Himmel fliegen lernt, auch bei Sturmwarnung, auch um drei Uhr nachts und mit einem Kühlpad am Fuß.
Die Sitzgelegenheiten, die Ihr Euch in Reitwein gezimmert habt, könnt Ihr zusammenklappen und auf Eurer Reise mitnehmen. Bei Sonnenschein werden sie auf der Terrasse stehen und bei jeder Wetterlage später in Eurer ersten eigenen Wohnung oder wenn im Studierendenwohnheim nur die blanke Matratze auf dem Fußboden liegt. Diese Stühle sind hart, aber komfortabel. Sie passen sich perfekt dem jugendlichen Körper an, der am liebsten sein Mobiltelefon in der Hand hält. Auch ein kühles Getränk ist leicht zu erreichen. In dieser Position kann man gar nicht anders als gelassen sein. Vielleicht hilft Euch dieser Sitz über die Unwägbarkeiten und Schicksalsschläge hinweg. Vielleicht krümmt Ihr Euch manchmal vor Schmerz, Liebeskummer, Todesangst, vor dieser irren Sehnsucht, die einen fast auffrisst. Und erinnert Euch an das, was Ihr bei uns gelernt habt: Das Christentum ist um einen Esstisch entstanden. Euer Glaube ruft Euch in die Gemeinschaft. Ihr seid Teil der weltweiten Christenheit und damit einer viel größeren Familie, als der, von der Ihr Euch zunehmend verabschiedet. Und wann immer Ihr wollt, dürft Ihr dort wieder Platz nehmen, von wo Ihr heute aufsteht. Wenn Ihr auf der Suche seid, nach einem Zuhause, dann habt Ihr gelernt, wie es sich anfühlt: Es ist der Kirchturm, in den Ihr nicht eingesperrt seid, sondern der Euch den Weg weist und aus dem eines Tages wieder für Euch die Glocken läuten, wenn Ihr die große Liebe heiratet, Eure Kinder selber zur Taufe und Konfirmation bringt und auch wenn Euer Leben in dieser Welt mal zuende geht. Bis dahin habt Ihr hoffentlich noch ungeheuer viel Zeit für erste Versuche und routinierte Langstreckenflüge, fürs Loslassen und nach Hause kommen und für ein Leben mit ganz viel Segen, der Euch Aufwind gibt, wenn es sich manchmal schon verkehrt anfühlt, morgens aus dem Bett aufzustehen.
Am allerersten Pfingsttag ist aus dem Himmel Gottes Geist auf die Menschen gekommen, hat in ihnen ein Feuer entfacht und sie sich verstehen lassen, auch wenn sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Ihr habt in den letzten zwei Jahren erlebt, wie das geht: dass welche einander verstehen, auch wenn sie aus ganz verschiedenen Elternhäusern kommen, gegensätzliche Interessen oder politische Ansichten haben. Ihr seid Euch im Spiel, im Gespräch und im Gebet begegnet. Ihr habt Euch Fragen gestellt und ehrliche Antworten gegeben. Euren Zusammenhalt habt Ihr nicht erarbeitet, sondern er ist Euch zugeflogen. Ihr seid in Gottes Geist verbunden und es ist nicht mehr wichtig, wo Ihr Euren Stuhl aufklappt, sondern nur, ob Ihr aus der Haltung größtmöglicher Gelassenheit heraus den Blick hebt für die Anderen, die mit Euch unterwegs sind und auch für die, die zwischen den Stühlen sitzen.
Wo immer Ihr jetzt hinfliegt, Ihr lieben Fledermäuse, wird Gott schon sein. Ihr seid kostbare Geschöpfe, eine gefährdete Art, aber von hier aus stark gemacht für die Unwetter des Lebens. Wenn Ihr den Himmel sucht, soll er sich von Euch finden lassen.

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