01.05.2026 0 Kommentare
Vorstellung der GKR-Mitglieder
Vorstellung der GKR-Mitglieder
# Erwachsene

Vorstellung der GKR-Mitglieder


Sieglinde Sagert und Jörg Siewert - einheimisch und zugezogen- im GKR alles dabei
Sieglinde, du bist in Frankfurt (Oder) geboren, wie bist du zur Evangelischen Kirchgemeinde gekommen?
Ich bin nicht seit jeher in dieser Kirchengemeinde zu Hause. Ich wurde in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Frankfurt (Oder) sozusagen hineingeboren und habe mich als Jugendliche taufen lassen; ich war dort beheimatet, das familiäre Gemeinschaftsgefühl hat mich sehr geprägt. Diese Gemeinde habe ich Anfang der 90er Jahre verlassen. Ich begann Gottesdienste in verschiedenen Kirchbezirken zu besuchen. Die Fusion der eigenständigen Gemeinden zu einer Gesamtgemeinde Frankfurt (Oder) bekam ich eher randlich mit, eingetreten bin ich 2004, seitdem erst fühle ich mich richtig zugehörig. Seit 2007 bin ich im Gemeindebezirk Kreuz aktiv.
Jörg, wann bist du in die Kirchgemeinde in FFO gekommen und wie hast du sie wahrgenommen?
Ich bin im Sommer 2022 nach Frankfurt (Oder) gekommen und damit auch in die Kirchengemeinde. Davor war ich in der Gemeinde Berlin Schönow-Zepernick ansässig. Meine erste Wahrnehmung der Gemeinde war eine zersplitterte.
Sieglinde, die Kirchgemeinde ist durch die Zusammenlegung sehr in der Fläche gewachsen. Kannst du dich auch in einer so großen Gemeinde heimisch fühlen? Verstehst du Gemeindeglieder, die an den alten Gemeindebezirken hängen?
Ja, ich verstehe Gemeindeglieder sehr gut, die sich nur schwer von langjährig Vertrautem verabschieden können. Es ist ein Verlust, der weh tut – wie heimatlos, wenn der bisherige Gemeindebezirk im Ortsteil nicht mehr das geistliche Zuhause sein soll. Wenn eine kleine Anreise nötig ist, um in die Kirche zu gehen. Wenn ich mich nicht mehr im vertrauten Kreis engagieren kann. Manche Menschen möchten sich nicht aus einer kleinen bekannten Gruppe herausbewegen. Auch das ist mir verständlich. Und doch ist es aufgrund der schrumpfenden Mitgliedszahlen notwendig, neue Konzepte der Gottesdienste und Gemeindekreise zu leben. Es ist eine Chance. Wir gewinnen, wenn wir uns öffnen, uns „herauswagen“. Ich besuche gern Gottesdienste und Veranstaltungen an verschiedenen Orten in unserer großen Gemeinde. Um so häufiger wir unterwegs sind, miteinander ein paar Worte wechseln, nach dem Namen fragen, irgendwo mit anpacken, in einer anderen Gemeindeküche mitwirken – um so mehr wächst neues Vertrautes heran. Eine sehr gute Möglichkeit, mit anderen Menschen der Gemeinde bekannt zu werden ist ja das Ehrenamt. Dann kommen mir der spezielle Ort und die anderen Mitwirkenden näher, so kann ich mich leichter zugehörig fühlen.
Jörg, wie fühltest du dich aufgenommen in die Kirchgemeinde und hast du es als eine Gemeinde mit mehreren Gottesdienstorten empfunden?
Die Aufnahme bei der Anmeldung im Gemeindebüro war sehr herzlich. Ebenso verhält es sich in der St. Georg Gemeinde, in der ich durch die Teilnahme am Begegnungscafe hauptsächlich aktiv bin. Persönlich empfinde ich die Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) – Lebus als eine Gemeinde; Unterschiede oder Hierarchien sind mir fremd. Die Realität sieht anders aus, die „Eine Gemeinde“ wird nicht in vollem Umfang gelebt, auch im eigentlichen Stadtgebiet nicht. Das mag durchaus in der Struktur und der Eingemeindung der umliegenden Dörfer liegen.
Sieglinde, findest du, dass man sich stärker um Gemeindeglieder, die schon sehr lange der Gemeinde angehören, kümmern und ihre Wünsche stärker berücksichtigen sollte?
Diese Frage zu beantworten finde ich sehr schwierig. Für mich entstehen sofort Fragen: Ist es denn so, dass sich Gemeindeglieder nicht ausreichend gesehen fühlen? Welche Defizite und (unerfüllte) Wünsche gibt es im Gemeindeleben? Was wird von wem erwartet? Ich möchte nicht pauschal antworten. Ich wünsche mir, dass Gemeindeglieder sich an andere wenden, sich mitteilen. Wir sind Geschwister in Christi und es soll uns nicht egal sein, wie es meiner Schwester, meinem Bruder geht. Für Seelsorge stehen die Pfarrerinnen bereit. Und vielleicht wäre es gut, wenn es noch mehr Menschen gibt, die sich ehrenamtlich für Gespräche und Besuche zur Verfügung stellen. Und dann gib es die Ehrenamtlichen, die in Regionalen Gemeindebeiräten und im GKR aktiv sind. Sie – wir sind doch auch Ansprechpartner für das Mitteilen von Sorgen, Kritik und Vorschlägen.
Jörg, denkst du, man sollte stärker versuchen Zugezogene für die Kirchgemeinde zu begeistern und wie könnte man das machen?
Die Kirche lebt von Öffentlichkeit, sie wird meiner Meinung nach dort mit verschiedenen Interpretationen der derzeitigen Probleme und Herausforderungen wahrgenommen. Damit verspielt sie wertvolles Potential, um an der Entwicklung der Gesellschaft im positiven Sinne teilzuhaben. Das macht mich sowohl wütend als auch tief traurig.
Mir fällt im Moment nichts ein, wie wir Menschen, die nach Frankfurt ziehen, erreichen können. Dazu müssen wir uns wohl noch weiter öffnen und vor allem eine Ausstrahlung erzeugen, die anziehend ist und die haben wir nicht!!!
Zusätzlich stellt sich die allgemein übliche Frage, nicht nur bei Kirchens: wer soll's machen, haben wir das Potential an Mitmacher*innen?
Kommentare