Die Kirchen unserer Kirchengemeinde
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Für den Gemeindebezirk Rosengarten ist Pfarrerin Katharina Falkenhagen zuständig.
Die Kirche in Rosengarten
Das Straßenangerdorf mit Gut liegt etwa 4 km westlich der Stadt an der von der Fürstenwalder Poststraße abzweigenden Booßener Straße und wird von landwirtschaftlichen Flächen und im Westen von dem ausgedehnten Waldgebiet der Rosengartener Heide umschlossen.
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Die Kirche in Rosengarten

Der Ortsteil Rosengarten

Das Straßenangerdorf mit Gut liegt etwa 4 km westlich der Stadt an der von der Fürstenwalder Poststraße abzweigenden Booßener Straße und wird von landwirtschaftlichen Flächen und im Westen von dem ausgedehnten Waldgebiet der Rosengartener Heide umschlossen. Es wurde 1947 eingemeindet, 1977 Ortsteil von Frankfurt.

Kirche in Rosengarten

Zum Ort gehören die Wohnplätze Ziegelei (1885), der Rangier- und Güterbahnhof (1911-17) und das ehemalige Vorwerk (1864), seit 1926 Lillihof genannt, sowie Pagram (s. d.).
 

Von der frühen Nutzung der Ortsgemarkung zeugen Einzelfunde der Steinzeit sowie Siedlungen der Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit. 1495 wird der »Hoff Rosengartten« auf der Feldmark »Podegrin« (Pagram) erstmals urkundlich erwähnt. Das 1538-98 zum Bistum Lebus gehörige Dorf mit 60 Hufen erst 1585. Hier saß die Familie Große, die auch mit dem älteren Dorf Pagram belehnt war, bis 1551, 1551-72 von der Straßen, 1572-1699 und v. Röbel. Johann Heinrich v. Röbel veranlasste 1595 den Bau einer Kirche. 1600 teilten sich Lichtenberg und Rosengarten die Feldmark Pagram und nutzten sie als Meierei und Vorwerk. 1633 wurden Dorf, Kirche und Rittersitz eingeäschert. Der Wiederaufbau erfolgte 1664-66. 1687 waren acht Kossätenhöfe besetzt, drei Höfe lagen noch wüst. Das Dorf wechselte seit 1678 häufig seine Besitzer. 1711 zählte Rosengarten acht Kossäten, vier Hausleute, einen Laufschmied, Schäfer, Hirt und Knechte. 1840 hatte der Ort mit Rittergut 243 Einwohner und 29 Wohngebäude. Der Begräbnisplatz an der Kirche wurde 1861 aufgegeben, ein neuer Friedhof im Heideweg eröffnet. 1867-69 setzte auch um Rosengarten der Braunkohleabbau ein. 1885 wurde in der Nähe des Standortes Waldhaus eine Ziegelei gegründet (1945 zerstört und abgetragen). Rudolf Schulz und seine zweite Frau Franziska, geb. Scherz (1867-1950), veranlassten 1898 den Bau des neobarocken Gutshauses, Siedlerplatz 2, und 1903 den Neubau der nunmehr mitten im Dorf liegenden Kirche, durch eine Eichenallee, den Kirchsteig, mit dem Gutshaus verbunden. 1917 entstand der Bahnhof, Nr. 10.

 

Der in der Waldstraße liegende Bauhof mit Sägewerk der Firma Paul Schmidt gehörte bis in die 1950er Jahren zu den wichtigsten Frankfurter Baubetrieben. Gegenüber der Kirche, Hauptstraße 7, ließ Schmidt 1926 seine Villa errichten. Der in der Fürstenwalder Poststraße 13/14, am nordöstlichen Rand der ehemaligen Dorfgemarkung gelegene Lillihof ging aus einem Gutsvorwerk hervor. Reste des Wirtschaftshofs aus dem Ende des 19. Jh. sind erhalten. Auf dem Gelände befand sich im Ersten Weltkrieg eine Munitionsfabrik. Auf dem freien Platz entstanden 1948/49 einige Neubauernhäuser. Das Straßenangerdorf mit einer aufgelockerten Hofbebauung an der Hauptstraße und dem westlich anschließenden Lindenplatz weist nur wenige erhaltene Drei- und Vierseitgehöfte von Mittel- und Kleinbauern aus der zweiten Hälfte des 19. und dem ersten Viertel des 20. Jh. auf, z. B. Hauptstraße 2, 3, 5 und 34 sowie Lindenplatz 2, 3 und 4. Zu den älteren, giebelständigen Wohnhäusern gehört das Wohnstallhaus, Lindenplatz 3, um 1870. Auffallend sind größere Scheunen aus Ziegel- und Feldsteinmauerwerk, so die Durchfahrtsscheune Lindenplatz 4, Mitte 19. Jh. Am Dorfanger steht der Dorfkrug mit Saal und Wirtschaftshof, Lindenplatz 8/8a. Den nordöstlich liegenden Siedlerplatz, einst Wirtschaftshof des Gutes, bestimmen das Guts- und das Verwalterhaus, letzteres ein Ziegelbau um 1900. Die zeitgleiche Schnitterkaserne, Nr. 8, ist überformt.


Dorfkirche
 

Ein erster Kirchenbau fiel dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer. Der  1664-66 als Nachfolger errichte Fachwerkbau stand bis zu seinem Abbruch 1903 auf einer leichten Anhöhe am Rand des Gutsparks. Dessen Besitzer und Kirchenpatron, Karl Eduard Hugo Rudolf Schulz (1854-1904), ließ die am 4. Oktober 1903 geweihte Kirche am heutigen Standort nach Entwurf des Berliner Hof baumeisters Gustav Hauer errichten. Vor der Kirche, auf einer Grünfläche in der Art eines Kirchhofs steht das von der Gemeinde gestiftete Gefallenendenkmal, eine aus Granitblöcken aufgemauerte Stele auf zweifach getrepptem Sockel. Über der Deckplatte ein Granitquader mit dem Relief des Eisernen Kreuzes mit Kaiserkrone und Jahreszahl 1914. An der Vorderseite eine schwarze Steingussplatte mit den Namen der 17 gefallenen Dorf bewohner.

Baugeschichte und Beschreibung


Aus vielfältig gestaffelten Gebäudeteilen harmonisch komponierte, verputzte neobarocke Saalkirche über einem feldsteinsichtigen Sockel. Relativ kurzes Langhaus unter hohem Satteldach und längsrechteckiger, dreiseitig abgeschlossener Chor, durch drei hochrechteckige Fenster belichtet. Dessen dreiseitig gebrochenes, deutlich niedrigeres Dach schließt an das Giebelfeld des Kirchenschiffs an. Zwischen Chor und Langhausgiebelwand eingepasst die niedrigen, rechteckigen Sakristeiräume mit abgewalmten Dächern. An den Stirnseiten je ein Zugang, an deren Seiten kleine hochrechteckige Fenster. Im Norden der Patronatslogenanbau mit Walmdach. Auf der Südseite ein kleiner Eingangsvorbau mit Satteldach. Haupteingang im eingezogenen Westturm. Zu beiden Seiten Nebeneingänge, der östliche zugesetzt. Der rechteckige Turm mit Okuli geht oberhalb des Langhausfirstes in ein achteckiges Turmgeschoss über, bekrönt von einem geschweiften, kupfergedeckten Glockendach mit Kreuzspitze. Die übrigen Dächer mit dunkel engobierten Biberschwanzziegeln gedeckt. Hier kleine Gauben in barockisierenden Formen. Die Fassaden sind zurückhaltend dekoriert: Zwischen Sockel und aufgehender Wand ein glattes  aufgeputztes Gesims, Chorfenster und Türen mit profilierten, geohrten Faschen, die Langhausund  Turmfenster durch schlichte Schlusssteine hervorgehoben. Der südliche Nebeneingang durch aufgeputzte Eckpilaster und das darüber befindliche Giebelfeld mit Baudatum betont. In der im Turm liegenden Vorhalle Aufgang zur Orgelempore und Zugang zum Glockenturm.

Kirche Rosengarten (Taufe und Altar)

Das Kircheninnere durch zwei hohe Sprossenfenster an jeder Längsseite belichtet. Fußboden aus hellgrauem, von einem umlaufenden dunkelgrauen Seitenstreifen eingefassten Terrazzo. Den Raumabschluss bilden drei quergespannte, scharf kantige Kreuzgratgewölbe, die auf Konsolsteinen mit  floralem  Dekor aufliegen. In der Mitte der nördlichen Längswand die mit einer neobarock gebauchten Holzbrüstung zum Kirchenschiff geöffnete Patronatsloge. Breite Orgelempore auf vier schlanken Pilastern im Westen, kassettierte Brüstung aus dunkel lasiertem Fichtenholz. Im Osten der durch einen Triumphbogen geöffnete Chor. Gestühl, Türen und Kanzel bilden eine gestalterische Einheit mit Patronatsloge und Orgelempore. Die Brüstungsfelder des Kanzelkorbes mit den Bildnissen von Petrus und Johannes eine Stiftung der Gattin des Architekten. Das mittlere Chorfenster zeigt einen segnenden Christus.

Ausstattung


Orgel. 1903, FirmaWilhelm Sauer, op. 895, im Originalzustand erhalten, mit neobarockem Prospekt, Stiftung der Ehefrau Franziska Schulz, geb. Scherz.

Taufe. Sandstein, 1885 (i), Stiftung anlässlich der Geburt des ersten Sohnes von Rudolf Schulz und dessen damaliger erster Ehefrau Rose

Drei Messingkronleuchter. Über der Orgelempore, 1890 (i), Stiftung von Rudolf Schulz anlässlich der Rettung seiner Frau aus Lebensgefahr, der mittlere, 1917 (i), anlässlich der Geburt eines Kindes.

Altarkruzifix. Stiftung von Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen anlässlich Kirchweihe 1903.
Drei Bronzeglocken. 1) 1903 (i), Franz Schilling, Apolda. – 2) und 3) Eisenhartgussglocken,  1922 (i), Schilling und Lattermann, Apolda.

Bedeutung


Die ortsbildprägende Patronatskirche bezeugt die traditionelle Verbindung zwischen Gutsherrschaft und Dorf, die zu Beginn des 20. Jh. noch bestand. Sie gehört zu den jüngsten im ländlichen Raum errichteten Patronatskirchen, die nicht im Zusammenhang mit einer neuerbauten Werkssiedlung entstanden ist, dennoch an einem neuen Standort, nunmehr in der Nähe der Ortsmitte, aufgeführt wurde. Der Kirchenbau nimmt mit seiner gemäßigt neobarocken Formensprache auf das 1898 vollendete große Gutshaus Bezug und dies umso deutlicher, als es sich nicht wie dieMehrzahl der um 1900 errichteten Kirchen um einen neoromanischen oder neogotischen Sichtziegelbau handelt. Die Innenausstattung ist in bemerkenswerter Vollständigkeit erhalten.
 

Aus: Sybille Gramlich u.a., Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Band 3, Stadt Frankfurt (Oder), Worms 2002, S. 369-371."